DIW Wochenbericht 21 / 2026, S. 324
Alexander Schiersch, Erich Wittenberg
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Herr Schiersch, wie schlagen sich die forschungsintensiven Industrien in dieser schwierigen Zeit und inwieweit sind sie mitverantwortlich für die Schwäche der deutschen Wirtschaft? Sie sind insofern mitverantwortlich, weil sie eine große Stütze der deutschen Wirtschaft sind. Anders ist dies zum Beispiel in Frankreich oder in Großbritannien, wo die Produzenten hochwertiger Technologiegüter und die spitzentechnologischen Industrien kaum noch eine Rolle spielen. Dort gibt es im Unterschied zu Deutschland nur wenige Arbeitsplätze in forschungsintensiven Industrien. Weil die forschungsintensiven Industrien in Deutschland so wichtig sind, wirken sich Schocks und negative Entwicklungen in diesen Industrien, wie eine schlechte Produktivitätsentwicklung, negativ auf die gesamte Volkswirtschaft aus.
Wo liegen die Probleme? Wir haben eine immer noch durchschnittliche Produktivitätsentwicklung im Vergleich zu anderen europäischen und nicht europäischen Ländern. Um uns aber unsere hohen Löhne und die Wettbewerbsfähigkeit auf den internationalen Märkten zu erhalten, müssen wir eigentlich immer gute bis sehr gute Steigerungen der Produktivität aufweisen. Das aber ist seit Jahren nicht mehr der Fall, weder in der gesamten Volkswirtschaft, noch in den forschungsintensiven Industrien. Ein Grund sind zum Beispiel die hohen Energiekosten, insbesondere in der chemischen Industrie. Weitere Gründe sind darin zu finden, dass man nur sehr unflexibel reagieren kann und den Entwicklungen sehr häufig hinterherläuft, beispielsweise in der Automobilindustrie, aber auch in der elektrooptischen Industrie.
Wie hat sich die Produktivität in den letzten Jahren entwickelt? Wir müssen unterscheiden zwischen den spitzentechnologischen Industrien, wie der Pharmaindustrie und bei Computern, optischen Geräten und Ähnlichem. Hier ist die Arbeitsproduktivität seit 2015 um 25 Prozent gewachsen. Das ist im internationalen Vergleich immer noch ein im Durchschnitt guter Wert. Das heißt aber auch, dass wir gemessen an den Ländern, die sich hier besser entwickeln, etwas zurückfallen. Bei den hochwertigen Technologiegütern, wie im Automobilbau, im Maschinenbau und der Chemie haben wir seit 2016/2017 eine Stagnation.
Was bedeutet das für den Welthandel mit forschungsintensiven Gütern aus Deutschland? Unser Welthandelsanteil sinkt. Das ist, wenn andere Länder ökonomisch größer werden, eine rein mathematische Entwicklung. Trotzdem liegt es nicht nur daran, dass China immer wichtiger geworden ist. Die Welthandelsanteile von Ländern wie Südkorea, Dänemark oder den Niederlanden bleiben stabil oder steigen. Der deutsche Anteil wird hingegen kleiner und er wird deutlich schneller kleiner als zum Beispiel der Anteil Frankreichs.
Was müsste passieren, damit die forschungsintensiven Industrien in Deutschland wieder Land gewinnen? Wir müssten die Produktivität steigern. Dafür müssen die Unternehmen auch selbst aktiv werden und noch stärker auf Digitalisierung und KI setzen. Ich denke, man sieht da aktuell auch deutliche Bemühungen. Aber auch die Politik muss tätig werden, um das Übererfüllen europäischer Vorgaben, das sogenannte Goldplating, abzubauen. Während andere Länder eine europäische Vorlage, wie die DSGVO, eins zu eins umsetzen, neigen wir in Deutschland dazu, mehr zu tun als verlangt wird. Darüber hinaus handhaben wird das in jedem Bundesland und zum Teil sogar in den Kommunen anders. Die Unternehmen würden es sicherlich unterstützen, wenn wir aufhören würden, dieses Goldplating zu betreiben.
Das Gespräch führte Erich Wittenberg.
Keywords: Forschungsintensive Industrien, Wertschöpfung, Arbeitsproduktivität, Außenhandel
DOI:
https://doi.org/10.18723/diw_wb:2026-21-2
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