DIW Wochenbericht 26 / 2026, S. 423
Josefin Meyer, Erich Wittenberg
get_appDownload (PDF 68 KB)
get_appGesamtausgabe/ Whole Issue (PDF 2.31 MB - barrierefrei / universal access)
Handelssanktionen werden verhängt, um wirtschaftliche Kosten hochzutreiben und so Druck auf das sanktionierte Land auszuüben. Von welchen Ländern gehen Handelssanktionen hauptsächlich aus und welche Länder sind in der Regel davon betroffen? Handelssanktionen werden hauptsächlich von Industriestaaten verhängt. Dazu gehören die USA, von denen ungefähr 40 Prozent aller Handelssanktionen verhängt werden, gefolgt von der Europäischen Union mit ungefähr zehn Prozent. Rund 25 Prozent der Sanktionen werden von den übrigen Industriestaaten verhängt. Neu ist, dass auch Länder wie Russland die USA und die Europäische Union mit Handelssanktionen belegen, wie es zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg geschehen ist. Die von Handelssanktionen betroffenen Länder sind in der Regel Länder, die von der Weltbank eher als Länder mittleren Einkommens klassifiziert.
Wie groß ist der weltweite Umfang des sanktionierten Handels? Der Umfang des sanktionierten Handels lässt sich nicht eindeutig bestimmen, weil viele sanktionierte Handelsströme oder die dazugehörigen Güter nicht beobachtbar sind oder die Datengrundlage dafür fehlt. Die Handelsströme, die wir identifizieren konnten, machen ungefähr ein bis zwei Prozent aller weltweiten Exporte des Jahres 2020 aus.
Welche Güterklassen spielen bei Handelssanktionen eine Rolle? Das kommt auf die Sanktionen an. Schauen wir uns die Importsanktionen an, das bedeutet, dass die Exporte des sanktionierten Landes einer Sanktion unterliegen, dann reicht die Bandbreite von Agrargütern über Industriegüter bis zu Energiegütern. Anders sieht es aus, wenn es um Exportsanktionen geht. Das heißt, bei Ländern, die der Sanktion unterliegen, werden die Importe sanktioniert. Hier werden hauptsächlich Industriegüter aus dem Hightech-Sektor sanktioniert.
Sie haben die Korrelation von Handelssanktionen und dessen Wirkung auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf untersucht. Wie stark reduziert sich das BIP pro Kopf nach Sanktionsbeginn? Bei Exportsanktionen, sprich die Importe der betroffenen Länder werden sanktioniert, belaufen sich die Einbußen gemessen am BIP pro Kopf auf ungefähr 0,5 Prozentpunkte im dritten Jahr nach Sanktionsverhängung im Vergleich zum Jahr vor der Sanktionierung. Bei den Importsanktionen fallen die Einbußen etwas höher aus. Dort liegt der Verlust ungefähr bei 1,6 Prozentpunkten im dritten Jahr nach Sanktionsverhängung im Vergleich zu dem Jahr, bevor die Sanktion eingeführt wurde.
Wie ist der unterschiedliche Einfluss von Export- und Importsanktionen auf die Wirtschaftsleistung des sanktionierten Landes zu erklären? Das kommt auf die Art der sanktionierten Güter und die damit verbundene Substitutionselastizität an. Das ist eine Kennzahl, die misst, wie schnell sanktionierte Länder es schaffen, ihren Handel umzulenken. Eine hohe Substitutionselastizität bedeutet, dass Länder relativ schnell ihren Handel umlenken können und dadurch auch weniger betroffen sind. Wenn man zum Beispiel die Möglichkeit hat, schnell auf andere Handelspartner oder andere Güter auszuweichen, erhöht das die Substitutionselastizität.
Welche Länder haben besonders hohe Einbußen durch Handelssanktionen? Zum Beispiel können Länder, die tendenziell eher wenige Handelspartner haben, die sie auch nicht schnell austauschen können, stärker von Sanktionen betroffen sein. Genauso verhält es sich mit Ländern mit hohen Rohstoffexporten. Auch diese Länder können tendenziell stärker von Sanktionen betroffen sein, wenn sie es nicht schaffen, ihren Handel umzulenken.
Das Gespräch führte Erich Wittenberg.
DOI:
https://doi.org/10.18723/diw_wb:2026-26-2
Die Publikation ist gemäß der Creative-Commons-Lizenz CC-BY-4.0 nachnutzbar: https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/