DIW Wochenbericht 30/31 / 2026, S. 472
Wolf-Peter Schill, Erich Wittenberg
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Herr Schill, reicht der Zubau an erneuerbaren Energien im ersten Halbjahr 2026 insgesamt aus, um die gesetzlichen Ziele zu erfüllen? Der Zubau der Wind- und Solarenergie ist auch im ersten Halbjahr 2026 weiter vorangeschritten. Das Tempo reicht aber aktuell nicht aus, um die 2030-Ziele zu erfüllen. Bei der Photovoltaik liegt die insgesamt installierte Leistung im Moment noch über dem Zielpfad. Das liegt daran, dass in den Jahren 2023 und 2024 viel mehr ausgebaut wurde als geplant. Aktuell liegt der Zubau aber unter dem, was nötig wäre, um das 2030-Ziel zu erreichen. Bei der Windkraft an Land liegen wir schon lange unter dem Ausbaupfad. Dort gibt es aber ein großes Potenzial und die Hoffnung, dass wir das in den nächsten Jahren aufholen können.
Welche Technologien drohen zurückzufallen? Gerade die Photovoltaik droht tatsächlich zurückzufallen. Die Einspeisetarife für Aufdachanlagen werden im Kontext der EEG-Reform vermutlich wegfallen. Dann ist die Frage, wie stark der Zubau der Aufdachanlagen in Zukunft noch sein wird und wie stark das durch einen beschleunigten Ausbau von Freiflächenanlagen kompensiert werden kann.
Wurden im ersten Halbjahr 2026 mehr Elektrofahrzeuge zugelassen? Ja, das ist so. Sowohl bei den Pkw als auch bei den Nutzfahrzeugen sind die Marktanteile der rein batterieelektrischen Fahrzeuge gestiegen. Trotzdem ist es leider so, dass bisher in allen Bereichen noch die Verbrennungsmotoren dominieren. Es werden also immer noch deutlich mehr Fahrzeuge mit einem Verbrennungsmotor zugelassen als rein batterieelektrische.
Wie entwickelt sich der Marktanteil der Wärmepumpen? Hier haben wir nur Daten für das erste Quartal 2026 und da hat sich im Grunde nicht viel verändert. Ungefähr jede zweite neue Heizung ist eine Wärmepumpe. Das heißt aber auch, dass fast jede zweite neue Heizung leider immer noch eine fossile Heizung ist. Da steht also der echte Durchbruch für die Wärmepumpen noch aus.
Wie steht es um den Ausbau von Stromspeichern in Deutschland? Dort geht es voran und vor allem im Segment der Großbatterien, die zuletzt deutlich zugelegt haben, gibt es erfreuliche Fortschritte. Das ist wichtig, weil diese Großbatterien ganz besonders systemfreundlich eingesetzt werden. Trotzdem liegt auch der Zubau der Großbatterien noch eine Größenordnung unter dem, was eigentlich möglich wäre, wenn wir nicht große Barrieren bei den Netzanschlüssen hätten.
Mit welchen Maßnahmen ließe sich das Energiewende-Tempo am effektivsten beschleunigen? Ich glaube, da müssen wir nach den verschiedenen Technologien differenzieren. Bei den erneuerbaren Energien sollten die Ausbauziele weiter konsequent verfolgt werden. Das bedeutet auch, dass die Ausschreibungsmengen gerade für die große Photovoltaik und die Windkraft an Land entsprechend hochgehalten werden müssen. Zudem muss dafür gesorgt werden, dass der große Bestand an bereits genehmigten Windenergieprojekten möglichst bald realisiert werden kann. Bei der Elektromobilität dagegen ist aus meiner Sicht vor allem wichtig, dass die Politik klar kommuniziert, dass das wirklich die Zukunftstechnologie ist. Man sollte sich hier von dem überholten Ideal der Technologieoffenheit verabschieden. Aus meiner Sicht wäre es viel vorteilhafter, hier Technologieklarheit zu kommunizieren. Die Zukunft der Mobilität ist einfach ganz klar batterieelektrisch und es würde helfen, wenn die Politik das auch so kommuniziert. Bei den Speichern wiederum ist immer noch die Herstellung der Netzanschlüsse der wesentliche Engpass. Da kann und muss weiter mehr gemacht werden, damit das schneller geht.
>Themen: Verkehr, Klimapolitik, Energiewirtschaft
DOI:
https://doi.org/10.18723/diw_wb:2026-30-2
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