Die Verhaltensökonomie (Behavioral Economics) hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem eigenständigen Fachgebiet entwickelt, und findet sich inzwischen auch in Einzeldisziplinen der Wirtschaftswissenschaften wieder, so beispielsweise als Behavioral Finance, Behavioral Macroeconomics oder Behavioral Industrial Organization. All diesen Ansätzen ist gemeinsam, dass sie sich an einem reicheren Menschenbild orientieren, das über die Standardannahme von Rationalität und Egoismus hinausgeht.
Bekannte Wirtschaftswissenschaften der ersten Stunde wie Adam Smith hatten die Standardannahmen schon früh in Frage gestellt. Damals gab es jedoch kein überzeugendes Alternativmodell, und in der Regel lieferten die Standardannahmen gute Voraussagen und waren der Ausgangspunkt für wirtschaftspolitische Empfehlungen. Die experimentell entdeckten „Verzerrungen“ – systematische Abweichungen von den Standardannahmen – waren erste Schritte hin zur Verhaltensökonomie, die anfänglich von Psychologen unternommen worden sind. Erst im Laufe der Zeit zeigte sich, dass die beobachteten Verzerrungen von genügend systematischer Natur sind, um daraus eigenständige Verhaltenstheorien aufzubauen und Empfehlungen auf individueller, ökonomischer und politischer Ebene zu geben. Diese Empfehlungen wurden vermehrt in Feldexperimenten getestet. Insbesondere das Behavioral Nudging – die Beeinflussung des Verhaltens ohne dieses explizit einzuschränken, wurde vielfach getestet, aber auch kontrovers diskutiert.
Die Kerntagung beschäftigt sich mit der Frage, wie Behavioral Economics das Menschenbild in den Wirtschaftswissenschaften verändert, und welchen Einfluss diese Veränderung auf Wirtschaft, Politik und Gesellschaft hat. Besondere Highlights sind die Keynotes von Matthew Rabin (Harvard University), Ulrike Malmendier (University of California, Berkeley) und Lucia A. Reisch (Cambridge Judge Business School). Im Rahmen der „offenen Tagung“ werden darüber hinaus mehr als 400 Beiträge aus allen Bereichen der Wirtschaftswissenschaften präsentiert. Ergänzt wird das Programm durch zahlreiche Workshops, Preisverleihungen, Networking-Events und eine Minikonferenz für Schüler*innen.
Das DIW Berlin ist mit einer Vielzahl seiner Wissenschaftler*innen bei zahlreichen Vorträgen vertreten. Das Programm mit allen Vorträgen der Jahrestagung finden Sie unter diesem LINK.
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