DIW Wochenbericht 37 / 2026, S. 578
Knarik Poghosyan, Erich Wittenberg
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Frau Poghosyan, das damalige Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) rief 2007 den Spitzencluster-Wettbewerb ins Leben, um die Innovationsfähigkeit Deutschlands zu stärken. Wie groß ist die Fördersumme und wer wird gefördert? Der Bund hat für den Spitzencluster-Wettbewerb insgesamt rund 600 Millionen Euro bereitgestellt. Jeder der 15 ausgewählten Spitzencluster konnte mit bis zu 40 Millionen Euro gefördert werden. Mit den Eigenmitteln der Beteiligten kamen die Projekte auf ein Gesamtvolumen von etwa 1,2 Milliarden Euro. Das Besondere war, dass nicht einzelne Unternehmen gefördert wurden, sondern regionale Innovationsnetzwerke. Das heißt, in diesen Netzwerken sollten Unternehmen, Hochschulen oder Forschungseinrichtungen gemeinsam in einem Projekt arbeiten, um die Clusterförderung zu bekommen.
Welche Unternehmen profitieren mehr von den Fördergeldern: Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) oder Großunternehmen? Unterm Strich profitieren die KMU stärker. Bei ihnen sehen wir positive Effekte in allen drei Bereichen, die wir untersucht haben: beim Anlagevermögen, bei den Beschäftigungsausgaben und bei den qualitätsgewichteten Patenten. Der stärkste Effekt zeigt sich beim Anlagevermögen. Er liegt bei den geförderten KMU rund 50 Prozent höher als bei vergleichbaren, nicht geförderten Unternehmen. Dieser deutliche Unterschied spricht dafür, dass die Unternehmen ihre Kapazitäten ausbauen. Wir sehen auch positive Effekte auf Beschäftigungsausgaben, die um rund 15 Prozent steigen, sowie moderate positive Effekte bei den qualitätsgewichteten Patenten.
In welchen Bereichen profitieren Großunternehmen von der Förderung? Bei den Großunternehmen ist das Bild weniger eindeutig. Dort macht sich die Förderung vor allem bei den Beschäftigungsausgaben bemerkbar, die um rund 20 Prozent steigen. Aber bei Anlagevermögen oder bei den qualitätsgewichteten Patentanmeldungen sehen wir keine eindeutigen zusätzlichen Effekte.
Wie sind die unterschiedlichen Wirkungsmuster bei KMU und Großunternehmen zu erklären? Die Förderung kann für KMU eine ganz andere Bedeutung haben, denn kleine Unternehmen haben häufig geringere finanzielle und organisatorische Möglichkeiten. Für sie ist es zum Beispiel schwieriger, passende Forschungspartner zu finden, große Kooperationsprojekte zu organisieren oder den eigenen Finanzierungsanteil aufzubringen. Ein gefördertes Netzwerk kann ihnen helfen, genau diese Hürden zu überwinden. Großunternehmen verfügen meist schon über eigene Forschungsabteilungen, etablierte Kooperationen oder größere Projektportfolios. Deshalb ist der zusätzliche Impuls durch die Förderung im Verhältnis zu ihren gesamten Aktivitäten weniger sichtbar.
Wie sollten künftige Clusterprogramme ausgestaltet werden? Es sollte keine Förderung von der Stange geben. Die unterschiedlichen Voraussetzungen der Unternehmen sollten stärker berücksichtigt werden. Zum Beispiel brauchen KMU häufig einen einfachen Zugang zur Förderung, Unterstützung bei der Suche nach geeigneten Partnern und Hilfe bei der Organisation gemeinsamer Projekte. Auch bei der Kofinanzierung sollte man im Blick behalten, dass kleine Unternehmen normalerweise geringe finanzielle Spielräume haben. Die Stärke der Netzwerke liegt im Zusammenspiel von kleinen und großen Unternehmen sowie weiterer Partner, wie Hochschulen und Forschungseinrichtungen.
Das Gespräch führte Erich Wittenberg.
DOI:
https://doi.org/10.18723/diw_wb:2026-37-2
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