Aufstieg und Fall der Ich-AG

O-Ton von Alexander S. Kritikos
Die Ich-AG: unterschätzt, erfolgreich, abgeschafft - Podcast „Wirtschaft bewegt“ mit Alexander S. Kritikos

Podcastfolge zu Hartz-Reformen

In dieser Folge von Wirtschaft bewegt – 100 Jahre DIW Berlin blicken wir mit Alexander Kritikos auf ein zentrales Kapitel der Arbeitsmarktreformen Anfang der 2000er Jahre: die Ich-AG. Sie war Teil der Hartz-Reformen und sollte arbeitslosen Menschen den Weg in die Selbstständigkeit erleichtern. Kritikos, heute Mitglied im Vorstand des DIW Berlin und Experte für Entrepreneurship, war damals maßgeblich an der wissenschaftlichen Evaluierung beteiligt. Er schildert, warum die Ich-AG aus wissenschaftlicher Sicht ein Erfolg war – und was sie trotz ihrer Wirksamkeit zu Fall brachte. 

© DIW Berlin

Reforminstrument mit Wirkung – und Imageproblem

„Die Ich-AG war eines der erfolgreichsten Instrumente“, erklärt Kritikos mit Blick auf die Hartz-Reformen. Tatsächlich zeigte sich, dass viele Menschen, die sich mit Unterstützung der Ich-AG selbstständig machten, auch Jahre später noch erfolgreich selbständig tätig waren – oft mit höherem Einkommen und eigenen Mitarbeitenden. Vor allem habe das Instrument neue Zielgruppen erreicht: „Mit der Ich-AG ist es zum ersten Mal gelungen, sehr viel mehr Frauen dazu zu veranlassen, sich selbstständig zu machen.“ 

Die Ich-AG hatte von Anfang an ein Imageproblem, das maßgeblich durch negative öffentliche Begleitmusik geprägt war. „Die Politik tat so, als wüsste sie schon von vornherein: Das wird nichts mit der Ich-AG“, erklärt Alexander Kritikos im Podcast. Der Begriff selbst wurde 2002 sogar zum Unwort des Jahres gekürt – „völlig zu Unrecht“, wie Kritikos betont, denn wissenschaftlich war das Instrument ein voller Erfolg. Trotzdem wurde die Ich-AG bereits 2006 eingestellt – unter anderem, weil das Programm finanziell aus dem Ruder lief. Die Politik hatte übersehen, dass die Förderung über drei Jahre lief und damit höhere Kosten verursachte, als ursprünglich budgetiert. 

Was blieb – und was wir daraus lernen können

Auch wenn die Ich-AG abgeschafft wurde, half der Gründungszuschuss Menschen bei ihrem Weg in die Selbstständigkeit. Dieser wiederum wurde 2011 stark eingeschränkt – mit drastischen Folgen: „Seitdem sehen wir, dass das Gründungsgeschehen über diese Form der Unterstützung fast auf null zurückgegangen ist“, sagt Kritikos. In der Podcastfolge wirft Kritikos auch einen Blick in die Zukunft und beschreibt, wie ein neuer Gründungszuschuss beim Strukturwandel von Wirtschaft und Arbeitsmarkt helfen könnte. 

Host der Podcastfolge ist Erich Wittenberg. 

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