Der lange Schatten der DDR? Zum Zusammenhang von ehemaliger Systemnähe und aktuellen politischen Orientierungen von Ostdeutschen

Referierte Aufsätze Web of Science

Steffen Mau, Thomas Lux, Julian Heide

In: 55 (2026), 2, 117–134

Abstract

Ostdeutsche gelten als besonders unzufrieden mit der Demokratie, migrationsfeindlich und dem Rechtspopulismus zugeneigt. Oft werden diese Orientierungen durch Sozialisationseffekte des DDR-Systems erklärt. Wir betrachten die Position im politischen System der DDR als wichtigen Differenzierungsfaktor. Konkret untersuchen wir, wie stark sich ehemalige Staatsnahe, Dissidenten & Protestierende und die schweigende Mehrheit hinsichtlich ihrer aktuellen Einstellungen zu Demokratie, Migration und Parteien unterscheiden. Mit Daten des Sozio-oekonomischen Panels können wir zeigen, dass Unterschiede zwischen den Gruppen eher graduell sind. Staatsnahe haben bis heute eine geringere Demokratiezufriedenheit und neigen stark zur Linkspartei. Dissidenten und Protestierende sind zufriedener mit der Demokratie und stärker an die CDU gebunden. Die schweigende Mehrheit neigt seltener einer spezifischen Partei zu, ist aber offener für die AfD und auch migrationskritischer eingestellt.

Themen: Persönlichkeit



Keywords: Autoritarismus; Sozialisation; Demokratiezufriedenheit; Parteipräferenz; Migrationseinstellungen
DOI:
https://doi.org/10.1515/zfsoz-2026-3003

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