Pressemitteilung vom 26. August 2026
Studie untersucht Folgen von Schulschließungen auf Arbeitsangebot berufstätiger Eltern – Vor allem Mütter von Grundschulkindern schränkten ihre Beschäftigung ein, Väter weiteten sie aus – Betreuungskluft zwischen Müttern und Vätern mit mehr Flexibilität und besserer Kinderbetreuung verringern
Die Schulschließungen während der Corona-Pandemie haben insbesondere Eltern von Grundschulkindern enorm belastet. Dies hat sich auch auf ihre Berufstätigkeit ausgewirkt: Die Mütter haben ihre Beschäftigung reduziert, Männer eher ausgeweitet, zeigt eine DIW-Studie des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) auf Basis von Haushaltsbefragungen. 28 Prozent der Mütter, die nur Grundschulkinder hatten, waren demnach vor der Pandemie vollzeitbeschäftigt. Durch die Schulschließungen 2020/2021 sank ihre Wahrscheinlichkeit, Vollzeit zu arbeiten, um knapp fünf Prozentpunkte. Bei verheirateten Müttern mit Grundschulkindern war die Veränderung mit acht Prozentpunkten sogar noch höher.
Bei den Vätern hingegen stieg die Wahrscheinlichkeit, in Vollzeit oder Teilzeit beschäftigt zu sein, um 5,2 Prozentpunkte, wahrscheinlich um den Einkommensverlust des Haushalts auszugleichen. „Wegen der coronabedingten Schulschließungen haben Mütter von Kindern im Grundschulalter ihre Arbeitszeit stärker reduziert als Väter. Dieses Muster deutet auf eine anhaltende Ungleichheit zwischen den Geschlechtern auf dem Arbeitsmarkt hin“, schließt Studienautorin Blanka Imre aus den Ergebnissen.
„Vollzeitbeschäftigung und Kinderbetreuung der Eltern müssen besser in Einklang gebracht werden“ Markus M. Grabka
Gemeinsam mit Neil Murray und Markus M. Grabka hat sie auch regionale Unterschiede bei den Schulschließungen berücksichtigt, denn die Beschränkungen waren nicht in allen Bundesländern jederzeit gleich. Dass sich die Ergebnisse dabei bestätigten, unterstreicht auch den kausalen Zusammenhang zwischen Schulschließungen und Änderung des Beschäftigungsumfangs: Verschärften sich die jeweiligen Schulbeschränkungen, ging vor Ort die Vollzeitbeschäftigung der Mütter in den ersten beiden Monaten deutlich zurück. Bei den Vätern verlief die Entwicklung gegenläufig: In beiden Monaten nach vollständiger oder teilweiser Schulschließung war der Effekt positiv, allerdings weniger eindeutig als bei den Müttern.
Diese Ergebnisse gelten aber nur für Eltern, die ausschließlich Grundschulkinder haben. Schaut man sich alle Eltern von schulpflichtigen Kindern und damit auch von älteren Kindern an, ließen sich keine statistisch signifikanten Veränderungen beim Beschäftigungsumfang erkennen. Offenbar konnten die älteren Geschwister bei der Betreuung der Grundschulkinder teilweise einspringen, so dass sich die Schulschließungen nicht so eklatant auf die Berufstätigkeit dieser Eltern ausgewirkt haben.
Der Ungleichheit der Geschlechter auf dem Arbeitsmarkt sollte entgegengewirkt werden: „Mütter haben es auf dem Arbeitsmarkt ohnehin schwerer“, weiß Neil Murray. „Ziehen sie sich zusätzlich aus dem Arbeitsmarkt zurück, dürfte das ihre Karrierechancen beeinträchtigen und sich langfristig negativ auf ihre Altersvorsorge auswirken.“ Und Markus M. Grabka ergänzt: „Vollzeitbeschäftigung und Kinderbetreuung der Eltern müssen besser in Einklang gebracht werden, damit auch in Krisenzeiten wie der Pandemie die Hauptlast nicht primär bei den Müttern liegt.“ Dazu erforderlich sei insbesondere, dass Arbeitgeber mehr Flexibilität gewähren. „Flexiblere Arbeitszeiten, Homeoffice und eine besser finanzierte Kinderbetreuung wie beispielsweise Ganztagsschulen würden dazu beitragen, die Kluft zwischen Müttern und Vätern zu verringern “, sagt Blanka Imre.
Themen: Arbeit und Beschäftigung , Familie