Zur Bedeutung von Konfession und Kirchgang für Bildungserfolg in Westdeutschland
Ausgehend von Weber sowie Becker und Wößmann diskutieren wir zunächst Zusammenhänge zwischen protestantischer und katholischer Konfession mit der Lebensführung und ob diese zu differentiellen Ergebnissen in der Bildungsteilhabe führen. Anschließend gehen wir auf alternative Erklärungen ein, wonach regional variierende Bildungserfolge auf Minderheiteneffekte (Kontrolldichte, Motivation) zurückzuführen sind. Schließlich diskutieren wir Colemans Sozialkapitalansatz, wonach der Kirchgang von Familienmitgliedern geschlossene Netzwerke erzeugt, die den Eltern ein intensives Monitoring ihrer Kinder ermöglichen. Die unterschiedlichen Erklärungsansätze werden mit ausgewählten Daten aus dem Sozio-oekonomischen Bildungspanel (SOEP) überprüft. Indikator für den Bildungserfolg ist der Gymnasialbesuch von Kindern im Alter von 12 bis 15 Jahren. Auf Seiten der Eltern liegen Angaben zur Religionszugehörigkeit und der Kirchgangshäufigkeit vor (sowie Standardinformationen zur Soziodemographie und zum Kulturkapital). Wir konzentrieren uns auf Westdeutschland, weil wir u.a. an die westdeutschen Nachkriegsstudien zum „katholischen Arbeitermädchen vom Lande" anknüpfen und weil dort die konfessionelle Prägung von Kreisen erheblich variiert. Für Westdeutschland insgesamt lassen sich aktuell keine konfessionellen Differenzen beim Besuch des Gymnasiums feststellen. Aber es zeigen sich erhebliche räumliche Variationen. Je stärker die konfessionelle Prägung eines Kreises von der Konfessionszugehörigkeit der untersuchten Familien abweicht, desto höher ist der Bildungserfolg (positiver Minderheiteneffekt). Vor dem Hintergrund der Befunde zum Kirchgang, nach denen Kirchgang zwar mit höherer Bildung einhergeht, die Struktur der Effekte sich aber nicht im Sinne des Sozialkapitalansatzes interpretieren lässt, tendieren wir dazu, die höheren Bildungserfolge in der (regionalen) Minderheitensituation als spezifische (unbeobachtete) Motivationen zu deuten.