Aufsätze in Sammelwerken 2018
Miriam Bröckel, Anne Busch-Heizmann
In:
Marco Giesselmann, Katrin Golsch, Henning Lohmann, Alexander Schmidt-Catran ,
Lebensbedingungen in Deutschland in der Längsschnittperspektive (Festschrift für Hans-Jürgen Andreß)
Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden
169-188
Die wirtschaftlichen Folgen einer Scheidung stellen eine gravierende Belastung für die Betroffenen dar, wie bisherige Forschungsergebnisse gezeigt haben. Eine Scheidung kann häufig einen wirtschaftlichen Abstieg verursachen, der im Extremfall sogar zu Armut führt. Gleichzeitig ist auf dem Arbeitsmarkt ein Wandel in Richtung einer zunehmenden Arbeitsmarktflexibilisierung und Atypik von Arbeitsverhältnissen zu beobachten, der neben einer objektiv, materiellen Prekarisierung zunehmend auch zu einer subjektiv, gefühlten Prekarisierung im Sinne von Abstiegsängsten vermeintlich gesicherter Erwerbstätiger führt. Wir untersuchen mit Daten des SOEPs, inwiefern sich die wirtschaftliche Lage von Alleinerziehenden infolge einer Trennung verschlechtert, im Hinblick einer objektiven Verschlechterung (Armutsrisiko) einerseits und einer subjektiv wahrgenommenen Verschlechterung (Sorgen um die wirtschaftliche Situation) andererseits. Darauf aufbauend wird betrachtet, inwiefern eine solche Entwicklung (auch) darauf zurückzuführen ist, dass die Alleinerziehenden nach der Trennung häufig atypische oder prekäre Tätigkeiten ausüben. Vergleiche zwischen Frauen und Männern mit und ohne Kindern werden für drei Zeitpunkte vor und nach der Trennung durchgeführt. Es zeigt sich, dass sowohl alleinerziehende Mütter, aber auch alleinerziehende Väter eine Risikogruppe darstellen. Besonderes bei alleinerziehenden Männern nehmen die Sorgen um die eigene wirtschaftliche Situation zu. Die Erwerbswege von alleinerziehenden Vätern führen mit der Trennung vergleichsweise häufiger als bei alleinerziehenden Müttern in atypische Beschäftigungen, jedoch nicht parallel dazu in Beschäftigungen mit Niedriglohnerwerb. Multivariate Modelle zeigen, dass die zunehmende Armutsquote infolge einer Trennung bei Frauen auf die Ausübung atypischer und prekärer Beschäftigungen zurückzuführen ist, während dies bei Männern nicht der Fall ist. Offenbar sind die von den Männern ausgeübten atypischen Beschäftigungen nicht zwangsläufig mit ökonomischen Einbußen verbunden.
Themen: Gender, Arbeit und Beschäftigung