Nicht-referierte Aufsätze
Elke Holst, Martin Friedrich
In: DIW Wochenbericht 83 (2016), 37, 827-838
Frauen sind in Führungspositionen insgesamt noch immer deutlich unterrepräsentiert. Der sogenannte Gender Leadership Gap, also die Differenz zwischen dem Anteil von Frauen an allen abhängig Beschäftigten und dem Anteil von Frauen in hohen Führungspositionen, variiert zwischen einzelnen Branchen allerdings erheblich. Der vorliegende Bericht zeigt, dass die Chancen von Frauen in der Finanzbranche am geringsten sind, obwohl es dort – gemessen an allen Beschäftigten in der Branche – besonders viele hohe Führungspositionen gibt. Gründe dafür könnten eine besonders maskuline Kultur sowie die speziellen gesetzlichen Anforderungen an GeschäftsleiterInnen im Finanzsektor sein, die implizit Männern stärker zugutekommen. Generell schmälert auch Teilzeitarbeit die Karrierechancen von Frauen: Für viele Führungspositionen ist eine Vollzeittätigkeit Voraussetzung, der Frauen aufgrund der nach wie vor tradierten Aufgabenteilung in Familie und Haushalt aber oft nicht nachgehen können – im Gegensatz zu Männern. Politik und Wirtschaft sollten daher Maßnahmen ergreifen, die den Erwerbsumfang von Männern und Frauen angleichen. Die vom DIW Berlin vorgeschlagene Familienarbeitszeit und der qualitative Ausbau der Kinderbetreuung wären wichtige Schritte auf diesem Weg.
Women remain grossly underrepresented in management positions in Germany. However, what has been dubbed the gender leadership gap, i.e., the difference between the share of all employees who are women and the share of women in senior management positions, varies considerably across different industries. The present report shows that the largest gender gap in the likelihood of holding a senior management position is to be found in the financial sector. Possible explanations include an exceptionally masculine culture and the specific legal requirements of CEOs in the financial sector that are implicitly biased toward men. Furthermore part-time work generally has an adverse effect on women’s career prospects: for many management positions, being able to work full-time is a prerequisite that often excludes women from taking on these positions due to the traditional division of household and family labor. Policy-makers and the business community should therefore adopt measures to increase gender equality when it comes to working hours. The “family working-time benefits model” and improvements in the quality of child day care proposed by DIW Berlin would be steps in the right direction.
Themen: Gender, Arbeit und Beschäftigung
Keywords: gender, Gender Leadership Gap, managerial positions, promotion probability, Executive Committees (ExCos), glass ceiling, working hours, motherhood penalty, financial sector, BaFin, corporate culture, temporal flexibility
Externer Link:
https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.542235.de/16-37-1.pdf