Theorie und Empirie unterschiedlich langer Arbeitstage am Beispiel von Schicht- und Teilzeitarbeit (Beiträge zur Personal- und Unternehmensökonomik, Band 5) (Dissertation)

Externe Monographien

Achim Krings

München, Mering: Rainer Hampp Verlag, 2000,

Abstract

Bei der betrieblichen Arbeitszeitgestaltung ist unter anderem auch die Länge des Arbeitstages zu bestimmen. Die Bedeutung dieses Entscheidungsproblems zeigt sich beispielsweise bei der Arbeitszeitgestaltung in Krankenhäusern. Dort wird die Frage, ob zu lange Schichtdienste von Ärzten die Qualität der Patientenversorgung beeinträchtigen, immer wieder diskutiert. Auch in der Diskussion um Teilzeitarbeit streitet man sich über die Frage, welche betrieblichen Konsequenzen unter-schiedlich lange Arbeitstage haben. Die theoretische Analyse der betrieblichen Auswirkungen unter-schiedlich langer Arbeitstage weist auf folgenden Zielkonflikt hin: Einerseits sinkt aufgrund von Ermüdungseffekten bei längerer täglicher Arbeitszeit tendenziell die Leistungsfähigkeit von Arbeitnehmern. Andererseits erleichtert eine längere tägliche Arbeitszeit die Informationsweitergabe im Betrieb, weil weniger Wechsel zwischen Arbeitnehmern erforderlich sind - so wird eine ganzheitlichere Behandlung der Aufgaben möglich. Theoretisch ist nur schwer vorherzusagen, welcher dieser gegenläufigen Effekte auf die betriebliche Produktivität dominiert. Zur empirischen Untersuchung der Auswirkungen unterschiedlich langer Arbeitstage hat der Autor u.a. die Qualität der Patientenversorgung auf sechs chirurgischen Intensivstationen deutscher Universitätskliniken verglichen, in denen die Ärzte unterschiedlich lange pro Tag arbeiten. Kern dieser empirischen Untersuchung war die Frage, ob eine bessere Patientenversorgung eher durch ein Zweischicht- oder ein Dreischichtmodell für Ärzte erreicht werden kann. Bei einem Zweischichtmodell erstreckt sich eine Schicht auf zwölf Stunden, bei einem Dreischichtmodell hingegen auf acht Stunden. Im Gegenzug haben Ärzte im Zweischichtmodell eine größere Anzahl an freien Tagen als im Dreischichtmodell. Die Qualität der Patientenversorgung als kritische Erfolgsgröße für die unterschiedlichen Arbeitszeitmodelle wurde dabei anhand der Gesundheitsverläufe von 347 Patienten gemessen, die in einem einmonatigen Erhebungszeitraum auf den sechs Intensivstationen behandelt wurden. Die bestehenden Unterschiede zwischen den untersuchten Intensivstationen im Hinblick auf personelle und technische Ausstattung, den Schweregrad der Erkrankung der Patienten und die akute Arbeitsintensität während des Aufenthalts auf der Intensivstation, wurden erhoben und statistisch korrigiert, so dass verbleibende Unterschiede in der Qualität der Patientenversorgung auf die unterschiedlichen Arbeitszeitmodelle kausal zurückgeführt werden können. Im Ergebnis stellte sich heraus, dass die Qualität derPatientenversorgung auf den Intensivstationen mit einem Zweischichtmodell etwas besser war als auf den Intensivstationen mit einem Dreischichtmodell. Ein vergleichsweise langer Arbeitstag von etwa zwölf Stunden scheint also in diesem Anwendungsfall dem"Normalarbeitstag" von acht Stunden überlegen zu sein. Dieses Ergebnis ist vorallem darauf zurückzuführen, dass im Zweischichtmodell die Leistungsfähigkeit der Ärzte im Vergleich zum Dreischichtmodell nicht beeinträchtigt ist, wohingegen die Informationsweitergabe aufgrund der geringeren Häufigkeit von Schichtwechseln besser zu funktionieren scheint als im Dreischichtmodell. Um die Repräsentativität dieses besonderen Anwendungsfalls zu prüfen, verglich der Autor auch die besonderen Vor- und Nachteile von Teil- und Vollzeitarbeit in repräsentativen Beschäftigungsverhältnissen. Dazu zog er Daten aus der zwölften Welle des Sozioökonomischen Panels (SOEP) von 1995 heran, die vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung bereitgestellt wurden. Auch diese Untersuchung bestätigte die negativen Auswirkungen von kurzen Arbeitstagen auf die Informationsflüsse in Unternehmen. Lange Arbeitstage sind insbesondere dann vorteilhaft, wenn Tätigkeiten schwer standardisierbar sind, wenn die Arbeitsergebnisse schwer zu messen sind, wenn der Arbeitsanfall schwer planbar ist und wenn die Beziehung zum Kunden persönlicher und spezifischer Natur ist. Nur wenn dies nicht der Fall ist, sind Teilzeitarbeitsverhältnisse betriebswirtschaftlich vorteilhaft und damit wettbewerbsfähig.

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