Referierte Aufsätze Web of Science
Hawal Shamon
In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie (KZfSS) 66 (2014), 3, 397-423
Aus der „Status-Wert-Theorie“, „A New Theory of Distributive Justice“ und den austauschtheoretischen Erklärungsansätzen lässt sich schlussfolgern, dass Individuen ihr eigenes Einkommen in Abhängigkeit von Durchschnittseinkommen, der Einkommensungleichheit und ihrer sozialen Position in einem Einkommensgefüge als gerecht oder ungerecht bewerten. Für die Überprüfung des Sachverhalts wurde eine internetbasierte Umfrage mit integriertem experimentellem Versuchsaufbau Anfang 2012 durchgeführt. Die Analyse der experimentellen Daten der 906 Teilnehmer stützt die Aussagen der „Status-Wert-Theorie“. Die Befragten orientierten sich bei ihren Einkommensgerechtigkeitsbewertungen am Durchschnittsverdienst von Personen mit gleicher beruflicher Qualifikation. Einen gemäß „A New Theory of Distributive Justice“ zu erwartenden Einfluss der Einkommensungleichheit auf Einkommensgerechtigkeitsbewertungen zeigte sich nur für diejenigen Befragungspersonen, die in ihrer Referenzgruppe eine soziale Position im unteren Einkommensgefüge einnahmen. Ebenso zeigt sich in den Analysen, dass der in Anlehnung an die austauschtheoretischen Erklärungsansätze zu erwartende Einfluss der sozialen Position auf Gerechtigkeitsbewertungen nur dann gegeben ist, wenn die Einkommen in der Referenzgruppe hinreichend ungleich verteilt sind. Dieser Artikel mag für den an der Einkommensgerechtigkeitsthematik interessierten Leser ebenso von Interesse sein wie für den methodisch interessierten Leser, da die verwendeten Stimuli unter Berücksichtigung der Angaben der Befragungspersonen konstruiert wurden (dynamische Stimuli).
Based on the “Status-Value-Theory”, “A New Theory of Distributive Justice” and the exchange theories it can be concluded that individuals evaluate their own income as being just or unjust according to the average reference incomes, income inequality and their social position within an income hierarchy. In order to analyze this issue, a web-based survey with an integrated experimental set-up was carried out in the beginning of 2012. The analysis of the experimental data of 906 participants shows that the respondents based their income justice evaluations on average incomes of people with same professional qualifications and supports the “Status-Value-Theory”. Evidence for the impact of the income distribution among the reference group on justice evaluations, as stated by “A New Theory of Distributive Justice”, could only be found for respondents ranked at the lower end of the income scale. A similar pattern could be found for the effect of a respondent’s social position on his or her income justice evaluations that was expected on the basis of the exchange theories. The social position affects the income justice evaluations only in case that incomes are sufficiently unequally distributed. This article may also be of interest to readers who are rather interested in methodological issues than in the topic of income justice. The stimuli used in this study were designed by taking into account the information provided by the respondents (dynamic stimuli).
Keywords: Sozialer Vergleich, Einkommensgerechtigkeit, Einkommensungleichheit, Soziale Position, Durchschnittseinkommen, Experimentelle Studie, Internetbasiertes Experiment, Dynamischer Stimulus, Difference-in-Difference Analyse
DOI:
https://doi.org/10.1007/s11577-014-0281-6