Konjunkturprognose Sommer 2026

Energiepreisschock bremst deutsche Wirtschaft – Weltwirtschaft auf moderatem Wachstumskurs

Deutsche Wirtschaft

Die deutsche Wirtschaft kommt nach drei schwachen Jahren nicht recht in Fahrt. Zum Jahreswechsel hatte sich noch eine Erholung abgezeichnet, die vor allem von der Binnenwirtschaft und dem privaten Konsum hätte getragen werden sollen. Doch neben den ohnehin vorhanden strukturellen Problemen wie sinkender Wettbewerbsfähigkeit, hohen Produktionskosten und einer alternden Bevölkerung muss die deutsche Wirtschaft nun auch den Folgen des Iran-Kriegs Tribut zollen. Der Energiepreisschock hat die wirtschaftliche Erholung hierzulande ausgebremst, bevor sie sich festigen konnte. Gestiegene Öl- und Gaspreise treiben seitdem die Verbraucherpreise, schmälern die Kaufkraft der privaten Haushalte und nähren die ohnehin verbreitete Unsicherheit. Ein tiefer Einbruch wie in der Energiepreiskrise 2022/23 zeichnet sich gleichwohl nicht ab: Der Schock ist kleiner und anders gelagert, die Energieversorgung gesichert, und die expansive Finanzpolitik fängt einen Teil des konjunkturellen Rückschlags auf.

Zum Jahresauftakt ist die Wirtschaftsleistung in Deutschland noch um 0,3 Prozent gestiegen, getragen allein von der öffentlichen Hand und vom Außenhandel, während die übrige Binnenwirtschaft schwach blieb. Im Verlauf des Jahres macht sich der Energiepreisschock bemerkbar: Die Wirtschaftsleistung dürfte im zweiten Quartal leicht schrumpfen (um 0,2 Prozent) und auch im dritten Quartal noch geringfügig sinken, bevor sie sich zum Jahresende wieder stabilisiert. Der private Konsum gibt nach und auch die Investitionsbereitschaft bleibt schwach. Stützend wirkt erneut allein die öffentliche Hand.

Über das laufende Jahr hinaus bleibt die expansive Ausrichtung der Finanzpolitik der entscheidende Treiber. Steigende Verteidigungsausgaben und schrittweise anlaufende Mittel aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität tragen den Großteil des Wachstums – Bäume können sie aber auch nicht ausreißen, die Wirkung der Investitionen entfaltet sich nur zögerlich. Nach voraussichtlich 0,5 Prozent in diesem Jahr erwartet das DIW Berlin für das kommende Jahr ein Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent, jeweils rund ein halber Prozentpunkt weniger als noch im Frühjahr. Die Verbraucherpreisinflation liegt mit 2,9 beziehungsweise 3,0 Prozent über dem Stabilitätsziel der Europäischen Zentralbank, die Arbeitslosenquote steigt auf 6,4 Prozent in diesem Jahr. Zugleich hat die fiskalische Expansion ihren Preis: Das gesamtstaatliche Defizit weitet sich 2026 und 2027 auf 3,9 beziehungsweise 4,3 Prozent aus. Wie groß die Risiken sind, zeigt eine aktualisierte Szenarioanalyse des DIW Berlin: In einem marktbasiert abgeleiteten Negativszenario läge das Wachstum in diesem Jahr um rund 1,5 Prozentpunkte niedriger als das Potenzialwachstum. Das entspräche einem Schrumpfen der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr um etwas weniger als ein halbes Prozent. Die Inflation läge auf ähnlichem Niveau wie in der Energiepreiskrise 2023.

Eckdaten zur Wirtschaftsentwicklung in Deutschland

2025 2026 2027
Bruttoinlandsprodukt1 0,2 0,5 0,8
Erwerbstätige2 (1 000 Personen) 45 977 45 838 45 923 
Arbeitslose (1 000 Personen) 2 948 2 992 2 896
Arbeitslosenquote BA3 (in Prozent) 6,3 6,4 6,2
Verbraucherpreise4 2,2 2,9 3,0
Lohnstückkosten5 4,5 2,4 2,8
Finanzierungssaldo des Staates6
in Milliarden Euro −123,6 −179,0 −203,3
in Prozent des nominalen BIP −2,8 −3,9 −4,3

1 Preisbereinigt. Veränderung gegenüber dem Vorjahr in Prozent.

2 Inlandskonzept.

3 Arbeitslose in Prozent der zivilen Erwerbspersonen (Definition gemäß der Bundesagentur für Arbeit).

4 Veränderung gegenüber dem Vorjahr.

5 Im Inland entstandene Arbeitnehmerentgelte je Arbeitnehmerstunde bezogen auf das reale BIP je Erwerbstätigenstunde.

6 In Abgrenzung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (ESVG).

Anmerkung: Prognose ab dem Jahr 2026.

Quellen: Statistisches Bundesamt; DIW-Konjunkturprognose Sommer 2026.

„Der Energiepreisschock bremst die Erholung spürbar – aber wir erleben kein zweites 2022/23: Der Schock ist kleiner, die Energieversorgung ist noch gesichert, und Deutschland ist heute weniger abhängig von fossilen Importen als nach Beginn des Ukraine-Kriegs. Dass die Wirtschaft in diesem Jahr überhaupt noch wächst, ist allein der öffentlichen Hand zu verdanken.“ Geraldine Dany-Knedlik

Weltwirtschaft

Die Weltwirtschaft wächst trotz des Energiepreisschocks moderat weiter. Zwar dämpft der Iran-Krieg die globalen Aussichten, doch der Welthandel expandierte zum Jahresauftakt kräftig und schwächt sich nur leicht ab. Vor allem die USA setzen sich von der globalen Abschwächung ab und legen mit 2,3 Prozent in diesem Jahr gegen den Trend zu, getragen von Investitionen und Energieexporten; der Euroraum wächst mit 0,3 Prozent hingegen nur schwach. Für die globale Wirtschaftsleistung erwartet das DIW Berlin insgesamt ein Wachstum von 3,1 Prozent in diesem und 3,3 Prozent im nächsten Jahr.

Reales Bruttoinlandsprodukt, Verbraucherpreise und Arbeitslosenquote in der Weltwirtschaft

In Prozent

Bruttoinlandsprodukt Verbraucherpreise Arbeitslosenquote in Prozent
Veränderung gegenüber dem Vorjahr in Prozent
2024 2025 2026 2027 2024 2025 2026 2027 2024 2025 2026 2027
Europa
Europäische Union 1,0 1,6 0,7 1,4 2,6 2,5 3,1 2,9 6,0 6,0 6,0 5,8
Euroraum 0,9 1,5 0,3 0,9 2,4 2,1 2,8 2,7 6,4 6,3 6,3 6,1
… ohne Deutschland 1,1 1,8 1,0 1,0 2,6 2,0 3,0 2,6 7,6 7,3 7,1 7,0
Frankreich 1,4 0,9 0,6 0,7 2,3 0,9 2,4 2,3 7,5 7,7 7,7 7,5
Italien 0,6 0,7 0,7 0,4 1,1 1,6 3,1 2,8 6,6 6,1 5,7 6,0
Spanien 3,5 2,8 2,3 1,7 2,9 2,7 3,6 3,0 11,4 10,5 9,8 9,5
Niederlande 1,1 1,8 0,9 0,8 3,2 3,0 3,1 2,5 3,7 3,9 3,8 3,6
Vereinigtes Königreich 1,0 1,4 1,2 1,3 2,5 3,4 3,4 2,7 4,3 4,8 5,5 5,1
Schweiz 1,4 1,3 0,9 1,5 1,1 0,2 0,7 1,0 4,0 4,3 4,7 4,5
Mittel- und Südosteuropa 2,1 2,5 2,1 2,8 4,0 4,1 3,1 3,7 4,0 4,1 3,8
Türkei 3,5 3,7 3,1 3,7 58,5 34,9 28,2 24,9 8,7 8,4 8,5 8,4
Russland1 4,9 1,1 1,0 0,6 8,5 8,7 6,9 5,3 2,5 2,2 2,3 2,5
Amerika
USA 2,8 2,1 2,2 2,2 3,0 2,7 3,6 2,2 4,0 4,3 4,5 4,7
Mexiko 1,1 0,8 0,6 1,8 4,7 3,8 4,5 3,9 2,7 2,6 2,9 2,8
Brasilien 3,0 2,6 1,5 1,9 4,4 5,0 4,7 4,1 6,9 6,0 6,0 5,9
Asien
Japan -0,2 1,1 0,6 0,7 2,7 3,2 2,6 2,4 2,5 2,5 2,7 2,7
Südkorea 2,0 1,0 2,4 1,7 2,3 2,1 2,6 2,1 2,8 2,8 2,9 2,9
China 5,0 5,0 4,4 4,4 0,0 -0,3 0,9 0,8 5,1 5,2 5,3 5,3
Indien 7,1 7,3 6,6 6,7 5,0 2,2 4,6 4,1 8,0 7,2 6,9 6,7
Total
Fortgeschrittene Volkswirtschaften 1,9 1,8 1,5 1,7 3,3 3,0 3,6 2,4 4,5 4,6 4,7 4,7
Schwellenländer 5,2 5,1 4,6 4,7 5,6 4,4 5,2 4,8 6,0 5,7 5,7 5,6
Welt 3,6 3,5 3,1 3,3 3,9 3,3 4,1 3,3 5,7 5,4 5,5 5,4
Nachrichtlich:
Exportgewichtet2 2,3 2,2 1,9 2,1
BIP in USD gewichtet3 3,0 2,9 2,6 2,7

1 Die für Russland prognostizierten Daten sind mit großen Unsicherheiten behaftet. Russland hat nur geringes Gewicht in der Gesamtprognose.

2 Gewichtung der Welt mit den Anteilen an der deutschen Ausfuhr im Jahr 2024.

3 Gewichtung der Welt mit dem Bruttoinlandsprodukt in US-Dollar von 2024 bis 2027.

Anmerkungen: Die schwarzen Zahlen sind abgerechnete Zahlen. Die Werte der Ländergruppen sind ein gewichteter Durchschnitt, wobei für die Gewichtung des Bruttoinlandsprodukts und der Verbraucherpreise das jeweilige Bruttoinlandsprodukt in Kaufkraftparitäten aus dem IMF World Economic Outlook für die Jahre 2024 bis 2027 verwendet wird. Für die Gewichtung der Arbeitslosenzahlen in den Ländergruppen wird die Erwerbsbevölkerung (15 bis 64 Jahre) des jeweiligen Landes für das Jahr 2024 verwendet. Zu den mittel- und südosteuropäischen Staaten zählen Polen, Rumänien, Tschechische Republik und Ungarn.

Quellen: Nationale statistische Ämter; DIW-Konjunkturprognose Sommer 2026.

Links und Downloads

Infografik in hoher Auflösung (JPG, 3.05 MB)

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