Aktuelles Projekt
Der Angriffskrieg, den Russland seit dem 24.2.2022 gegen die Ukraine führt, hat die größte Fluchtbewegung in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg ausgelöst. Seit Kriegsbeginn sind bis Ende Januar 2023 mehr als eine Million Menschen aus der Ukraine nach Deutschland geflüchtet.
Die Fluchtmigration aus der Ukraine unterscheidet sich durch besondere institutionelle Rahmenbedingungen von vorhergehenden Fluchtbewegungen: (1) offene Grenzen der EU durch die Visumsfreiheit und die Aktivierung der EU-Richtlinie zum vorübergehenden Schutz, (2) Rechts- und Planungssicherheit durch einen gesicherten Aufenthaltsstatus nach dem Zuzug und die Möglichkeit temporärer Rückreisen ohne Statusverlust sowie (3) Generalmobilmachung und das Ausreiseverbot für Männer im wehrpflichtigen Alter in der Ukraine. Der weiterhin unklare Kriegsverlauf und politische Veränderung auf Ebene der EU und in Deutschland führen jedoch zu einer hohen Unsicherheit über künftige Rückkehr- und Bleibeperspektiven.
Die Flucht- und Integrationsprozesse ukrainischer Geflüchteter in Deutschland wird in zwei Förderphasen untersucht:
(1) In der ersten Förderphase (2023-2026) wurde eine repräsentative Längsschnitt-Dateninfrastruktur zur sozio-ökonomischen Situation ukrainischer Geflüchteter in Deutschland aufgebaut. Zwischen 2023 und 2025 wurden mehr als 2.500 Haushalte mit rund 3.700 erwachsenen Geflüchteten wiederholt befragt und in die IAB-BAMF-SOEP-Studie sowie die SOEP-Hauptbefragung (SOEP-CORE) integriert. Die Daten ermöglichen es, Veränderungen der Lebenssituation und Integrationsverläufe im Zeitverlauf zu untersuchen und mit Geflüchteten aus anderen Herkunftsländern sowie Menschen ohne Flucht- oder Migrationserfahrung zu vergleichen. Ein besonderer inhaltlicher Schwerpunkt lag dabei auf Gesundheit und Diskriminierung.
(2) In der zweiten Förderphase (2026-2029) wird die Dateninfrastruktur für ukrainische Geflüchtete in Deutschland über weitere drei Jahre erweitert und vertieft. Im Mittelpunkt stehen die langfristigen Folgen familiärer Veränderungen im Zuge der Flucht für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Untersucht werden insbesondere Bildungs- und Gesundheitsverläufe, psychosoziales Wohlbefinden, Diskriminierungserfahrungen und der Zugang zur Gesundheitsversorgung. Dabei werden familiäre Strukturen, individuelle Ressourcen und institutionelle Rahmenbedingungen gemeinsam betrachtet. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung und Validierung altersgerechter und kultursensitiver Erhebungsinstrumente sowie innovativer multimodaler Befragungsformen, einschließlich KI-gestützter Übersetzung und visueller bzw. auditiver Unterstützung. Durch die Fortführung der Panelerhebung können Integrationsprozesse erstmals über einen längeren Zeitraum differenziert untersucht werden. SUARE II schafft damit die empirische Grundlage für international anschlussfähige Forschung und evidenzbasierte Migrationspolitik.
Am 16. und 17. Mai 2024 haben wir am DIW Berlin erfolgreich einen Workshop mit allen beteiligten Kooperationspartner*innen durchgeführt (Veranstaltungsbericht (PDF, 0.7 MB), in Englisch).
Projektteam aller beteiligten Kooperationspartner*innen (Workshop, 16./17. Mai 2024)
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